Kupplung Aus- /Einbau

Kupplung Defekt? Eine Herausforderung, aber schaffbar. Eine defekte Kupplung jagt vielen Autobesitzern einen kalten Schauer über den Rücken. Es gilt allgemein die Annahme, dass ihre Reparatur nur mit erheblichen Kosten zu beheben ist. Leider ist das nicht ganz unwahr. Jedoch ist die Kupplung ein Verschleißteil, welches früher oder später am Ende seiner Lebensdauer angekommen ist.

Wer sich jedoch mutig an diese Aufgabe heran traut, kann viel Geld sparen. Vorher gilt aber: Informieren, informieren, informieren - sonst hat man hinterher ein halb zerlegtes Auto und weiß nicht mehr weiter.

Funktion und Aufgabe einer Kupplung

Die Kupplung trennt und verbindet das vom Motor aufgebrachte Drehmoment mit dem Getriebe. Vom Getriebe wird das Drehmoment anschließend über die Antriebswellen an die Räder weiter geleitet. Daher ist es logisch, dass die Kupplung genau zwischen Motor und Getriebe sitzt. Um sie zu tauschen, muss deshalb in der Regel zumindest das Getriebe ausgebaut werden.

Die Kupplung besteht aus einer Doppelscheibe, auf der eine mehrere Millimeter dicke Verschleißschicht aufgetragen ist. Dieses Material ist dem von Bremsbelägen sehr ähnlich. Bei jedem Kupplungsvorgang, vor allem aber beim "schleifen lassen", wird ein wenig Material abgetragen. Eine Nachstellfeder sorgt dafür, dass der Kupplungsdruck immer gleich bleibt, egal wie dick die Verschleißschicht auf der Kupplung noch ist. Wenn aber die ganze Schicht abgetragen wird, dann schleift Metall auf Metall und überträgt das Drehmoment kaum noch. Das Auto wird dann fast unfahrbar.


Bauteile einer Kupplung

Eine Kupplung wird immer im Set getauscht. Es ist nicht sinnvoll, nur einzelne Komponenten, zum Beispiel die Scheiben, zu wechseln. Ein ebenso stark beanspruchtes Verschleißteil ist beispielsweise das Ausrücklager. Wenn es verschlissen ist, war die ganze Arbeit umsonst und die Kupplung muss wieder zerlegt werden. Der komplette Standard-Kupplungssatz besteht aus:

  • Kupplungsdruckplatte
  • Kupplungsscheibe
  • Ausrücklager
  • Zwei-Massen-Schwungrad
  • Befestigungsschrauben
  • Führungshülse

Welche Werkzeuge werden gebraucht?

Um eine Kupplung zu wechseln braucht man:

  • 1 Steckschlüsselsatz
  • 1 Schraubenschlüsselsat
  • Auffangbehälter für Getriebeöl
  • Trichter mit angeschlossenem Schlauch
  • Motorkran
  • Motor- und Getriebeheber
  • Zentrierdorn
  • Trennwerkzeug für das Kugelgelenk
  • ggf. großer Hammer
  • Bock oder Hebebühne
  • Drehmomentschlüssel
  • einen Helfer
  • und mindestens einen Tag Zeit.

Besonders als Laie ist das Wechseln einer Kupplung eine enorme Herausforderung. Diese allgemeine Beschreibung kann kaum alle Schritte für jedes Auto abdecken, die zum Tausch der Kupplung notwendig ist. Sie soll nur einen Einblick darüber geben, wie aufwändig diese Arbeit ist. Für den Tausch der Kupplung am eigenen Auto sollte immer die Original-Reparaturanleitung zu Rate gezogen werden.

Zentrierdorn: Kaufen oder bauen?

Der Zentrierdorn ist beim Tausch einer Kupplung ein unverzichtbares Werkzeug. Leider wird er auch nur zu diesem einen Zweck gebraucht. Die gute Nachricht ist: Die heutigen Möglichkeiten vom Online-Versand machen dieses Werkzeug besonders günstig verfügbar. Dennoch muss mit mindestens 15 Euro gerechnet werden. Wer diese Kosten scheut, kann sich einen Zentrierdorn auch selbst bauen:

Man nimmt ein Rohr oder ein rundes Holzstück von etwa einem Zentimeter Durchmesser und ca. 30 Zentimeter Länge. Anschließend umwickelt man das Rohr mit Paketband oder Panzertape, ca. eine Handbreit von einem Ende entfernt. Das Rohr wird so lange umwickelt, bis der Durchmesser dem Innenloch der Kupplungsscheibe entspricht. Das sollte als Werkzeug zum Zentrieren für die meisten Kupplungen ausreichend sein. Wir empfehlen dennoch, auf ein professionelles Werkzeug zurück zu greifen.

Kupplung ausbauen und wieder einbauen - Jetzt geht es los

Die Kupplung soll getauscht werden. Der Satz liegt vollständig und in Markenqualität bereit, ebenso ist das Werkzeug vollzählig.

  1. Das Auto auf einer geraden, ebenen Fläche abstellen


  2. Die Batterie abklemmen
  3. Es genügt, den Minuspol abzuklemmen. Wir empfehlen aber sicherheitshalber die Batterie an beiden Polen abzuklemmen.

  4. Motorkran einbauen
  5. Der Motorkran wird auf die Domlager aufgelegt und mit Seilen am Motor verbunden. Dabei darauf achten, dass auch das Getriebe gesichert wird.

  6. Das Auto aufbocken
  7. Vorweg gesagt: Ein Wagenheber reicht zum sicheren Aufbocken eines Autos NICHT aus. Auch gestapelte Pflastersteine, Kanthölzer oder andere, gebastelte Lösungen sind zu diesem Zweck absolut unzulässig. Das Mindeste, was zum Aufbocken verwendet werden darf, sind zugelassene Böcke. Sie kosten ab ca. 30 Euro pro Paar in einer vernünftigen Qualität. Rampen sind zum Aufbocken nicht geeignet, da meistens ein Vorderrad demontiert werden muss. Ideal sind zum Aufbocken eines Autos aber immer Hebebühnen.

  8. Die Antriebswellen vom Rad lösen
  9. Das linke Vorderrad muss komplett vom Antriebsstrang gelöst und zur Seite geklappt werden. Reifen und Felgen werden entfernt, die Zentralmutter gelöst und die Bremsscheibe weg geklappt. Das sorgt für den notwendigen Bewegungsspielraum. Hierzu ist das Trennwerkzeug für das Kugelgelenk notwendig. Die zentrale Radmutter kann manchmal äußerst fest sitzen. Hier kann ein Gasbrenner helfen, die widerspenstige Schraube anzulösen. Dabei aber immer auf die notwendige Sicherheit achten.

  10. Kupplungsgestänge und Tachowelle lösen
  11. Es muss praktisch alles weg, was am Getriebe hängt. Neben der Tachowelle kann dies auch noch der Drehzahlmesser und andere Sensoren sein.

  12. Den Anlasser ausbauen
  13. Es hat sich beim Wechsel von Kupplungen immer als vorteilhaft erwiesen, den Anlasser zu entfernen und nach der Remontage vom Getriebe wieder einzubauen. Das ausgehebelte Getriebe kann sonst Schäden am Ritzel verursachen.

  14. Das Getriebeöl ablassen
  15. Das Getriebeöl wird vollständig aus dem Getriebeblock entfernt. Dazu wird der Trichter und der Auffangbehälter verwendet. Das Getriebe wird dadurch leichter. Außerdem ist ein Kupplungswechsel die perfekte Gelegenheit, das Öl zu tauschen. Das alte Getriebeöl wird entsorgt und durch frisches ersetzt.

  16. Das Getriebe abstützen.
  17. Es geht langsam in Richtung "Getriebe ablösen". Jetzt muss mit maximaler Sicherheit gearbeitet werden. Das Getriebe wird von oben durch den Motorkran gehalten. Jetzt wird es zusätzlich von unten durch den Getriebeheber abgestützt.

  18. Das Getriebe lösen
  19. Alle Schrauben, mit denen das Getriebe ringförmig am Motor befestigt ist, werden nun abgelöst. Ein Helfer nimmt die Schrauben entgegen und deponiert sie an einem Ort, wo sie nicht verloren gehen. Sie müssen - im Gegensatz zu Zylinderkopfschrauben - nicht getauscht werden.

  20. Das Getriebe abziehen
  21. Ziehe nun das Getriebe vorsichtig ab. Gib ihm Stück für Stück durch den Motorkran und den Getriebeheber mehr Spielraum, bis es vollständig abgelöst auf dem Getriebeheber liegt. Löse nun die Verbindung zum Motorkran und rolle das Getriebe mit dem Heber zur Seite. Lass es ganz nach unten ab, so kann es nicht umfallen. Falls es doch umfällt, ist der Schaden nicht so groß.

  22. Die Druckplatte inspizieren
  23. Auf der alten Druckplatte und dem Schwungrad solltest du Markierungen finden. Mach ein Foto davon oder markiere dir die Stellen mit Klebeband. Du brauchst die Markierungen, wenn du die neue Druckplatte einbauen willst.

  24. Die Druckplatte lösen
  25. Die Schrauben von der Druckplatte werden entfernt. Nun kannst du sie zusammen mit der Kupplungsscheibe entfernen.

  26. Gründlich reinigen
  27. Nun heißt es: Lass den Bremsenreiniger fliegen! Reinige den gesamten Bereich so gründlich es nur irgendwie geht. Du bekommst so schnell keine zweite Gelegenheit dazu. Jeder Tropfen Öl und jedes Sandkorn ist Gift für deine neue Kupplung. Gib dir Mühe beim Reinigen und akzeptiere erst ein blitzeblankes Ergebnis.
    Auch der Flansch der Kurbelwelle wird so gut wie möglich gereinigt. Falls dabei aber Öl nachläuft, hast du ein Problem am Dichtring zum Motor hin. Sicherheitshalber solltest du ihn ohnehin gleich mit austauschen. Dazu musst du aber erst das Motoröl ablassen. Achte beim Herausziehen vom alten Simmerring, dass du die Wandung nicht verkratzt.

  28. Neuteile einbauen
  29. Das Ausrücklager (Nadellager) wird vor dem Einbau ordentlich gefettet. Die meisten Hersteller legen eine kleine Tube Fett mit bei, so dass du diesen Schritt nicht zu übersprungen brauchst.
    Beim Einbauen vom Schwungrad und der Kupplungsscheibe kommen Zentrierdorn und Drehmomentschlüssel zum Einsatz. Achte darauf, dass das Ausrücklager auch mit dem Ausrückhebel verbunden ist.

  30. Getriebe wieder einbauen
  31. Bau das Getriebe trocken ein. Das Öl wird erst ganz zum Schluss wieder nachgefüllt. Achte auf eine neue Dichtung zwischen Motorblock und Getriebe. Entferne vorher die alte Dichtung restlos und reinige die Dichtflächen so gründlich wie möglich. Verwende zum Ansetzen der Dichtung etwas Fett auf beiden Seiten.

  32. Alles wieder zusammen bauen
  33. Bau alles wieder zusammen und fülle das Getriebeöl wieder nach. Dann sollte die Kupplung eingebaut sein. Du kannst sie an der Verstellschraube noch etwas nachjustieren.

Besser vorher üben

Eine Kupplung einzubauen ist keine Aufgabe für blutige Anfänger. Es empfiehlt sich dringend, diesen Arbeitsgang vorher an einem Billig-Auto zu üben. Die lokalen Kleinanzeigen bieten passende Fahrzeuge schon ab 50 Euro an. Das entspricht in etwa dem Schrottpreis, der für ein altes Auto zu bekommen ist. Du machst also keinen Verlust, wenn man sich über den Weg die notwendigen Kompetenzen im Vorfeld aneignest. Das ist besser, als das eigene Auto halb zu zerlegen und dann nicht mehr weiter zu wissen. Aber mit Mut, Ehrgeiz und Entschlossenheit kommt auch der Anfänger früher oder später zum Erfolg, selbst eine Kupplung gewechselt zu haben. Und diesen Stolz kann dir keiner mehr nehmen.
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